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Maremmen-Abruzzen-Schäferhund

Maremmen-Abruzzen-Schäferhund

Zwei Regionen Italiens haben dieser Hunderasse ihren Namen gegeben: die bis vor einem Jahrhundert sumpfige, malariaverseuchte Maremma und die Abruzzen mit den bis knapp 3000 Meter hohen Bergen des Appenin. Der unwirtliche Küstenstreifen der südlichen Toskana war das Rückzugsgebiet der Schafhirten, wenn sie und ihre Herden in den Bergen des Appenin im Winter zu verhungern drohten. Die großen weißen Herdenschutzhunde, die sie begleiteten, waren daher untereinander genetisch eng verwandt, und so war es nur folgerichtig, dass die beiden bis dahin gesondert geführten Schläge 1950 zu einer Rasse (Gruppe 1, Sektion 1, FCI-Nr. 201) zusammengeführt wurden.

Weiße Hunde wurden von den Hirten bevorzugt, um nicht bei einem Wolfsangriff versehentlich den Hund zu treffen - und Weiß ist noch immer der Rassestandard, obwohl helle Tönungen in geringem Maße toleriert werden. Das Haar ist lang und gewellt, der Hals hat eine Mähne. Rüden sollen eine Schulterhöhe zwischen 65 und 73 Zentimetern haben, Hündinnen zwischen 60 und 68 Zentimetern. Die Hunde sind kräftig (bis 45 Kilogramm Gewicht) und haben einen bärenhaften Kopf mit anliegenden Hängeohren und kleinen, tief liegenden Augen. Die Lefzen sollen vollpigmentiert sein, eine Wechselnase ist erlaubt.
Der Maremmano-Abruzzese ist ein Herdenschutzhund, und wie alle Herdenschutzhunde ist er ein hoch spezialisierter Gebrauchshund, der entsprechend seiner ursprünglichen Aufgabe - dem selbstständigen Beschützen der Herde – spezielle Charaktereigenschaften und Wesensmerkmale zeigt, die ihn von der Vielzahl anderer Hunderassen deutlich unterscheidet.
Die Hirten haben selektiert, um Hunde zu bekommen, die ohne Anweisung ihr Territorium bewachten und die Herden darauf mutig, entschlossen und ohne Rücksicht auf das eigene Leben vor Angreifern schützten. Dieser wahrscheinlich über Jahrhunderte gezüchtete Charakter, die gewissenhafte Selbstständigkeit, das Selbstbewusstsein und die Bereitschaft, eigene Entscheidungen zu treffen, kann man den Herdenschutzhunden nicht abtrainieren. Maremmanos haben einen Hang zum Anarchismus, sie sind keine devoten Diener. Anweisungen ihres Führers befolgen sie durchaus, vorausgesetzt, der Hund sieht die Notwendigkeit des geforderten Tuns ein. Wegen dieser Selbstständigkeit, die von weniger empathischen Hundebesitzern gerne auch als Dickköpfigkeit bezeichnet wird, sind die Marammanos schon als „Hunde für Katzenfreunde“ bezeichnet worden. Daher sind die weißen Riesen keine Hunde für Sportfreaks, Agilityfans und Hundeplatzliebhaber. Für den Hundesport, für das Gehorchen auf Fingerzeig und das Exerzieren auf dem Platz ist der Maremmano-Abruzzese gänzlich ungeeignet. Denoch braucht er eine Aufgabe und findet diese in der Bewachung eines Territoriums. Je größer dieses ist, desto wohler fühlt er sich. Er ist kein Hund für Stadtwohnungen.
Das Wesen der Herdenschutzhunde braucht eine konsequente, starke und geduldige Erziehung durch Menschen, die sich gewaltfrei und leise durchsetzen können. Gewalt ist bei einem Hirtenhund kontraproduktiv. Bei der Erziehung ist zu beachten, dass ein Maremmano misstrauisch gegenüber Fremden ist und deren Berührungen nicht mag und dass er eine große Individualdistanz benötigt. Seine Wachsamkeit ist in der Dämmerung besonders groß, weshalb die Gewöhnung an fremde Dinge besser tagsüber stattfindet.
Die Reifeentwicklung beim Maremmano-Abruzzese dauert länger als die für andere Hunderassen angegebenen achtzehn Monate. Bis zum dreißigsten Lebensmonat kann es daher immer wieder vorkommen, dass der Hund seine Rangfolge im Rudel (also auch in der Familie oder gegenüber seinem Besitzer) in Frage stellt und ein gewisses Aggressionspotenzial zeigen kann.
Maremmanos wurden in Italien aber, anders als Herdenschutzhunde in anderen Regionen Europas, auch immer als Hüter des Hofs gehalten. Weil durch den engeren Familienanschluss und zur Vereinfachung des Umgangs mit ihm einige der typischen Wesensmerkmale abgeschwächt gezüchtet wurden, hat sich ein Schlag herausgebildet, der zum Familienhund prädestiniert ist.
Maremmanos sind keine Schmeichler oder Schmuser, sie können jedoch bei ihren Bezugspersonen sehr anhänglich werden. Daher sind sie, bei guter Erziehung und früher, sorgfältiger Sozialisation, auch für Familien mit Kindern geeignet und zeigen sich als aufmerksamer Beschützer und Freund.